Eva Lieding
Steinskulpturen im Klosterkeller (Mensa)
und Textilinstallationen, Werra-Brücke und Bootsanleger
Für meine innere Balance sorge ich durch kreative Experimente. Seit 2003 gehört mein Herz der Steinbildhauerei, begleitet auf meinem künstlerischen Weg von Moritz Bormann, freier Künstler in Hildesheim, und Monika Bodenmüller, Bildhauerin in Kelze/Hofgeismar.
Das Faszinierende an der Arbeit mit dem Stein ist der Dialog, die Auseinandersetzung mit dem harten Material. Will er so, wie ich das will, oder: will ich so, wie er das will …. Auf beiden Seiten gibt es Grenzen, die bis zum Bruch führen können. Jede/r von uns hat seine Persönlichkeit, gibt Anregungen, erzählt Geschichten, fordert den anderen, setzt seine Grenzen, verlangt Respekt. Es ist jedes Mal eine aufregende Beziehung, die wir eingehen und die mich mit Haut und Haar fordert. Und nur dann wird es ein „guter“ Stein.
Meine erste Textilinstallation habe ich im Sommer 2006 im Klostergarten Germerode aufgestellt „Die Wellenreiterinnen“, 2007und 2009 folgten – zusammen mit Hedda Cohrs – Installationen aus Stein, Metall und Stoffen auf der Kulturellen Landpartie / Wunderpunkte im Wendland mit den Titeln „Augenblicke – Entdeckungen im Busch“ und „Zwischenräume“, im Herbst 2009 zwei Installationen im Garten des „Alten Forsthaus Germerode“ zum 25 Jubiläum.
2008 im Rahmen von „Keller-Treppen-Hinterhöfe / Kultur im Denkmal“ in Witzenhausen, war es eine besondere Herausforderung, eine Textilinstallation zum Thema „Frieden der Weltreligionen“ für die Liebfrauenkirche zu schaffen.
In diesem Jahr widme ich die Installationen an der Werra-Brücke und dem Bootsanleger dem Leitthema der Kulturwoche „Italienische Impressionen“.Dabei wurde ich u.a. inspiriert
- von zahlreichen Bildern während meiner Aufenthalte in Italien,
- den wunderbaren, tiefen Texten des piemonteser Cantonere Gianmaria Testa
- und von der arabisch-sizilianischen Lyrik des 9.-12.Jhdts. – aus einem Zeitalter, geprägt vom Geist der Toleranz zwischen Religionen, Kulturen, Völkern und Sprachen - , die Etta Scollo mit ihrer Musik wie über „eine imaginäre Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart“ zu uns bringt.
Ich habe mich gefragt, was verbindet Witzenhausen, Italien, Gianmaria Testa, die arabisch-sizilianische Lyrik, die Brücke, den Bootsanleger und auch mich ?
Es ist die Form der Begegnung mit dem Fremden, das Fortgehen, die Auswanderung, die Abwanderung aus unserer Region, die Migration, die italienischen Arbeiter/innen in Deutschland, der Rassismus der Kolonialschule, die Flucht der afrikanischen Boat-People nach Italien, das Spannungsfeld von Vertrautem und Fremden, die Sehnsucht und Hoffnung auf das Glück auf der anderen Seite der Brücke, die Brücke als Chance, Hindernisse zu überbrücken, am anderen Ufer neue Wege zu gehen (wenn Du über sieben Brücken gegangen bist…), die Chance, Gegensätze zu überbrücken.


